Asset Allocation Insights

In Europa hat der Sommer endlich Einzug gehalten und damit auch ein Gefühl der Rückkehr zur Normalität in unserem Alltag

Dienstag, 07/06/2021

Die Geschäfte haben wieder geöffnet, die Restaurantterrassen sind überfüllt, die Angestellten kehren in die Büros zurück und der Verkehr staut sich wieder, da die Covid-bedingten Beschränkungen dank der Impffortschritte gelockert werden. Infolgedessen erholt sich die Wirtschaftsaktivität auf dem Kontinent. In den USA ist sie aber immer noch am stärksten.

Dienstag 06/07/2021 - 10:05
Adrien Pichoud Chief Economist & Senior Portfolio Manager
Luc Filip Head of Discretionary Portfolio Management

Die Gefahr neuer Varianten und der Mangel an Impfstoffen in mehreren großen Schwellenländern sorgen jedoch dafür, dass die Risiken der Pandemie auch in der zweiten Jahreshälfte noch fortbestehen. Trotzdem befindet sich das globale Wirtschaftswachstum auf einem positiven Trend für die kommenden Monate.

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In Europa ist der Optimismus zurückgekehrt und wird im Sommer ein kräftiges Wachstum antreiben
Quelle
Banque Syz, IHS Markit

Die USA führen die Erholung in den Industriestaaten an. Die US-Wirtschaft ist so stark, dass die Debatte von anhaltenden Pandemierisiken zur Besorgnis über eine mögliche Überhitzung und überhöhte Inflation umgeschwenkt ist. In Europa ist es für einen solchen Umschwung noch zu früh. Wir gehen jedoch davon aus, dass eine kräftige Erholung in den nächsten drei Monaten auf dieser Seite des Atlantik die gleiche Debatte auslösen wird. Während wir auf die Zeit nach der Finanzkrise zusteuern, beeinflusst diese Diskussion die Zentralbanken und Regierungen sowie die Stimmung am Markt.

Angesichts der zunehmenden Belege für eine Erholung der Wirtschaftsaktivität ist es nur logisch, dass sich die Aufmerksamkeit der Frage zuwendet, wann die enorme Unterstützung durch die Zentralbanken und Regierungen aus dem letzten Jahr zurückgenommen wird. Der Zeitpunkt dafür muss sehr vorsichtig austariert werden. Eine vorzeitige oder ungeordnete Rücknahme der Unterstützung ist mit der Gefahr verbunden, eine Erholung abzuwürgen, die nach wie vor weitgehend auf sie angewiesen ist.

Die jüngste Sitzung der US-Notenbank unterstreicht die Herausforderung, vor der die geldpolitischen Entscheidungsträger weltweit stehen. Sie müssen die Geld- und Finanzpolitik an die Anforderungen eines zunehmend freundlicheren wirtschaftlichen Umfelds anpassen, ohne das Wachstum zu untergraben.

Angesichts der verbesserten Lage der US-Wirtschaft lenkt die US-Notenbank die Erwartung an eine Normalisierung der Geldpolitik auf einen früheren Zeitpunkt. Mit anderen Worten: Sie wird früher beginnen, ihre Liquiditätsspritzen zu drosseln und die kurzfristigen Zinssätze anzuheben. Sie beabsichtigt jedoch nach wie vor, die äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen noch längere Zeit beizubehalten, um die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen der Pandemie vollständig auszukurieren.

Der Übergang von einer „Krisenpolitik“ zur „Erholung und Normalisierung“ kann Unsicherheit über den zeitlichen Ablauf und den Umfang des Prozesses sowie seine kurz- und langfristigen Auswirkungen auf das Wachstum, die Inflation und die Finanzmärkte hervorrufen. Die US-Notenbank wird die Finanzierungsbedingungen genau im Auge behalten, um zu vermeiden, dass sich die Erfahrungen vom Dezember 2018 wiederholen, als Hochzinsunternehmen keinen Zugang zu Finanzierungen hatten, sodass Anfang Januar 2019 schließlich eine geldpolitische Kehrtwende nötig wurde.

Im Augenblick ist der sehr vorteilhafte geld- und finanzpolitische Mix in den Industrieländern gut verankert. Die seit dem Ende des letzten Jahres herrschende Reflation wird sich fortsetzen und den Anstieg der Aktienindizes in den kommenden Monaten weiter antreiben. Zyklische Segmente des Aktienmarktes dürften weiter von diesem Umfeld profitieren – sowohl auf der Branchenebene als auch in geografischer Hinsicht.

Unsere Aktienallokation ist seit Anfang des Jahres auf diese Themen ausgerichtet und muss daher nicht angepasst werden. Generell halten wir nach wie vor ein erhöhtes Engagement in Aktien, allerdings mit einer taktischen Ausrichtung auf zyklische Sektoren und Märkte, um die besten Renditeaussichten für die kommenden Monate zu bieten. Im Gegensatz dazu erfordert die Allokation in festverzinslichen Anlagen einige Vorsicht, insbesondere bei langfristigen Anleihen, die einem weiteren Aufwärtsdruck auf die Zinssätze ausgesetzt sind.